Update nach dem dritten Jahr
Im Grunde hat der folgende Text nach zwei Jahren auch nach drei Jahren Gültigkeit.
Wir ärgern uns im dritten Jahr über die verschiedensten Fehler (siehe Fahrzeug und Aufbau), die auch mit hohen Kosten verbunden sind. Wir ärgern uns auch über die vielen Unzulänglichkeiten in den verschiedenen Ländern (z.B. Müll und wilde Hunde) und auch der „Overtourism“ und die damit einhergehenden Probleme wie Verteuerungen und Beschränkungen oder auch zu viele Wohnmobile.
Zu viele Wohnmobile ist natürlich relativ, im Winter besteht dieses Problem – außer an der Küste in Südspanien – nicht wirklich. Bereits in den Übergangszeiten sind es im Vergleich zu früheren Jahren wesentlich mehr Fahrzeuge aus den verschiedensten Ländern. Hierbei fällt uns aber auch insbesondere die zunehmende Rücksichtslosigkeit auf.
Insgesamt überwiegt aber eindeutig immer noch das gute Gefühl des selbst bestimmten Lebens. Wir können uns in jungen Jahren die Zeit frei einteilen und den Ort frei wählen. Es geht nicht besser und wiegt alle Probleme bei weitem auf.
Rückblick nach 2 Jahren
Vorweg schieben muss man bei dieser Betrachtung immer, dass wir seit über dreißig Jahren in Reisemobilen unterwegs waren und das Leben auf engem Raum kennen. Bis vor zwei Jahren natürlich nur temporär in Urlauben und an Feiertagen/Wochenenden.
So können wir nach den zwei Jahren insgesamt sagen, fällt uns das Leben auf so wenigen qm, nicht schwer. Klar, wir müssen immer kleine Regeln vereinbaren. Wer im Bad ist, muss Bescheid geben, bevor er/sie rauskommt oder wenn in der Küche gearbeitet wird, sollte der andere vorher eine Position/Aufgabe suchen, die nicht umherrennen verursacht.
Ordnung halten ist großes Thema. Dazu gehört dann auch räumen. Umso besser die Ordnung, desto weniger ist zu räumen. Das haben wir sehr gut im Griff!
Und übrigens ein großer Vorteil: kurze Wege!
Vermissen wir denn die Geräumigkeit einer Wohnung? Nein, nicht wirklich.
Vermissen wir den Komfort einer festen Behausung? Die Antwort fällt länger aus, lässt sich aber insgesamt auch verneinen, da die Vorteile der völligen räumlichen Unabhängigkeit einfach überwiegen.
An das Geschirr mit der Hand zu spülen, haben wir uns leicht gewöhnt. Das Wäschewaschen bedarf im Grunde einer anderen Organisation als zuvor. Wir waschen seltener und nutzen weniger Klamotten, sammeln auch einfach. In den meisten Ländern klappt das mit den öffentlichen Waschmaschinen sehr gut, in anderen, wie Schweden oder Norwegen gar nicht. Dann organisieren wir uns einfach anders, waschen mal händig oder gehen halt mal auf einen Campinglatz.
Und da sind da noch die Themen Versorgung und Entsorgung. Wasser kommt in fester Behausung immer aus dem Hahn, Strom aus der Steckdose. Und die natürlichen Abfälle „verschwinden“ einfach.
Hier geben wir zweifellos zu, dass ist ein Dauerthema. Wieviel Wasser haben wir noch, wo bekommen wir neues her. Wir haben 220 Liter und das reicht für 3–4-mal Duschen und alles weitere. Aber in jedem Land ist das mit dem Wasser anders zu lösen. In Estland extrem schwierig (da selbst für Einheimische schwefelhaltig), in Italien und Spanien am flexibelsten und auch oft kostenlos. In Deutschland ist die Versorgung durch die zahlreichen Stellplätze auch sehr gut, aber grundsätzlich kostenpflichtig. Das Thema Entsorgung beschäftigt uns laufend. Wo können wir regelgerecht entsorgen. Auch die Hausmüllentsorgung ist in jedem Land sehr unterschiedlich geregelt. In Südtirol ist es fast unmöglich seinen Müll an öffentlichen Stellen loszuwerden, in Finnland und den baltischen Ländern ist es am einfachsten. In Deutschland ist es zwar einfach seinen Glasmüll los zu werden, den Rest jedoch fast unmöglich. Im Ausland gibt es zumindest häufig Sammelstellen, z.B. für Metalle, Plastik, Papier etc..
Strom ist für uns tatsächlich bislang kein Problem, dank unserer 720 Watt Solar auf dem Dach. In Köln standen wir zum Beispiel im Mai 16 Tage am Stück ohne externen Strom anschließen zu müssen. Zudem wechseln wir gerne die Plätze und laden so über unseren Ladebooster während der Fahrt. Was brauchen wir noch? Achja, Gas. Das aber nur zum Kochen und Backen. Da verbrauchen wir aber so wenig, dass wir nur alle halben Jahre mal auftanken – LPG an der Tankstelle.
Wie sieht es mit Übernachtungsplätzen aus?
Grundsätzlich haben wir uns vorgenommen nie im Dunklen nach einem geeigneten Platz zu suchen. Das ist uns auch wirklich zu 100% gelungen. Dabei hilft uns hauptsächlich die App Park4night. Es bedarf grundsätzlich einer Flexibilität. Wir suchen zwar immer schöne Plätze, manchmal auch nur praktisch gelegene, nehmen aber auch schon mal einfach Parkplätze, die einfach nur für eine Nacht reichen. Wer uns über whatsApp oder unsere Webseite folgt, wird wohl feststellen, dass wir überwiegend schöne Plätze finden.
Und wie sieht es mit Internet, also dem digitalen Leben aus?
Auf die gesamte Laufzeit gesehen, hatten wir fast durchgehend Netz. Wenn wir richtig abseits stehen auch im Ausland mal keins, in Deutschland ist es weiterhin Glückssache. Wir kommen immer mit dem Volumen unserer O2 Verträge aus, haben nur einmal in Schweden eine Prepaid Karte gekauft. Mittlerweile haben wir 260 GB monatliches Datenvolumen, welches wir vollständig im EU-Ausland nutzen können. Wir streamen außerhalb der Satellitenreichweite Fernsehen und sonst auch die Mediatheken, amazon prime oder youtube. Wir benötigen Internet für den upload unserer Homepage, genauso wie für das Zeitschriften lesen, Radio oder das Navigieren. Auch wenn das Netz halt manchmal etwas schlechter ist, was schnell nervt, ziehen wir ein positives Fazit.
Und das Leben sonst so?
Bei uns gibt es kein Urlaubsfeeling. Wir sind im Alltag und genießen jeden Tag oder nehmen schlechte Tage einfach hin. Es hat sich noch etwas gedreht: Auf Wochenenden freuen wir uns so gut wie gar nicht mehr, überall viel zu voll. Der Montag ist jetzt unser Lieblingstag.
Ein Dauerthema ist es, das richtige Verhältnis zwischen dem Erleben von Neuem und einfach nur nichts zu tun zu finden. Das heißt bei uns im Grunde, dass wir uns insgesamt eher zu viel angucken. Was sollen wir machen? Uns interessieren historische Stätten, wie kleine und große Städte. Die unterschiedlichen Kulturen schon in Europa sind einfach faszinierend. Die vielfältige Natur ist genau unser Ding, wie auch die Vielfältigkeit der Kulinarik kennen zu lernen. Zum Glück sind wir keine Strandgänger (mehr) oder üben aufwändige Hobbys, wie Bergsteigen, Surfen, MTB fahren oder ähnliches aus. Wir werden wohl so weiter reisen wie bisher, vielleicht noch mehr Ruhetage für weitere Hobbys einlegen.


