- Interrail – der mit den Zügen tanzt – oder auch nicht…
- Interrail – der erste Versuch: Windeck – Genua
- Interrail – der zweite Versuch – Sitzplatzreservierungen sind Teufelswerk…
- Interrail – Katastrophentourismus – ich Tourist, rundherum alles katastrophal
- Interrail – neue Reisestrategien
- Interrail – alles funktioniert – wo ist der Haken?
- Interrail – never change a running system
- Interrail – das Ende naht. Der Glückssträhne…
- Interrail – das Ende ist da. Der Glückssträhne…
- Interrail? Was ist Interrail? Überbewertet…
- Interrail – Gib mir Gummi
- Interrail – Das Ende aller Schrecken…
Tag 13: Santander – Bilbao
Am Abend zuvor versuchte ich im Café die nächste Etappe nach Bilbao zu planen. Laut Onkel Google sind das 100km.
Tante Interrail schlägt mir Reiseroute 1 vor: 09:19-18:15 – also 9h mit zweimal Umsteigen und drei Sitzplatzreserverungen für insgesamt 21€. Hehe – klar, Clown gefrühstückt. Da laufe ich ja schneller hin…
Reiseroute 2 ist nicht wirklich besser: Start 15:38, Reisezeit 21h 39Minuten, ebenfalls zweimal umsteigen. Echt jetzt? Ich sehe mich um – aber die aktuelle Besetzung von ‚Verstehen Sie Spaß‘ springt aus keinem Gebüsch.
Des Rätsels Lösung: es gibt keine direkte Bahnverbindung. Ich müsste etwa die halbe Strecke nach Madrid zurück – übrigens den oben beschriebenen langsamen Teil – dann ein wenig quer fahren und die ganze Strecke ein Stück weiter im Osten wieder zurück an die Küste.
Onkel Google dagegen schlägt als schnellste Verbindung einen Regionalbus vor – Abfahrt 11:40, Ankunft 13:30. Wer braucht schon Interrail… Schnell online gebucht, 9€… Klappt vielleicht sogar mit Nachmittags Stadt anschauen…
Das gebuchte Busticket startet in Santander Aeropuerto – wundert mich zwar, weil mein Hotel nicht nur direkt am Bahnhof liegt, auch der Busbahnhof ist quasi direkt unter dem Fenster. Nun gut – irgendein Bus fährt sicherlich zum 10km entfernen Flughafen.
Also gönne ich mir am Morgen eine Menge Zeitpuffer, bin um 08:00(!) am Busbahnhof – nur für den Fall, dass ich wieder gewisse Strecken laufen muss. Hatte ich schon erwähnt, das ich es nicht so mit Taxis habe? Wäre auch so eine Art Halbpremiere – ich glaube, in meinem Leben bin ich vielleicht viermal Taxi gefahren. Der Blick danach auf den Preis am Taxameter ist für mich jedesmal geradezu gesundheitsgefährdend, bin eindeutig schlaganfallgefährdet… Bin ’sparsam‘. Nein, nicht geizig…
Die Auskunft am Schalter wirft mir auf die Frage nach dem Bus zum Flughafen genau ein Wort entgegen: ‚cuatro‘. Aha…
Relativ schnell bekomme ich heraus, dass damit nicht der Bussteig 4 im Busbahnhof gemeint ist – alles mittelweite Ziele. Auch die Buslinie 4 ist nicht korrekt – die endet ein paar Kilometer vor dem Flughafen in den Vororten. Beim Umrunden des Komplexes fällt mir zum Glück außerhalb die Linie S4 ins Auge – das scheint richtig zu sein.
Quer durch den Höllenverkehr der Rushhour chauffiert geht es dann tatsächlich zum Flughafen. Dort frage ich vorsichtshalber noch den Busfahrer, wo denn der ‚Fern’bus nach Bilbao abfahren würde – er weist auf ein nicht weiter gekennzeichnetes Bushäuschen etwas weiter die Straße hinunter. Nun gut – ist aber für den Außenstehenden nicht wirklich erkennbar.

Dann sitze ich also im Bushäuschen und hoffe, das der Kerl mich nicht veräppelt hat. Denn der Bus kommt nicht. Oder? Doch – mit einer halben Stunde Verspätung. Mittelmäßig erleichtert suche ich mir ein Plätzchen, schaue aus dem Fenster und sehe erst Höllenverkehr in der mittäglichen Rushhour, dann den Bahnhof und den Busbahnhof und mein Hotel… Wieder von Santander natürlich…
Mit den Widrigkeiten des Bahnfahrens habe ich ja nun doch schon Routine – aber auch für das Busfahren bin ich offensichtlich zu blond.
Aber immerhin sitze ich im richtigen Bus… Nach Bilbao… Wo ich dann tatsächlich irgendwann ankomme, nachdem ich zum dritten Mal innerhalb von vier Stunden durch eine Rushhour von Santander gefahren werde. Nicht wirklich um 13:30, aber wer wird da noch kleinlich sein.
Bilbao selber ist natürlich in mehrfacher Hinsicht sehenswert. Das örtliche Guggenheim Museum aus den 90er Jahren ist bekanntermaßen seitens der Architektur ikonisch – es ist hauptverantwortlich für den sogenannten Bilbao-Effekt, inwiefern ein solches Leuchtturmprojekt einer Stadt zugutekommen kann. Wieder muss ich an die Kölner Oper und das Deutzer Rheinufer denken. Allerdings spare ich mir hier die Bilder dieser Kölner ‚Sehenswürdigkeiten‘ – ich möchte ja keine Ortsfremden traumatisieren.
Dummerweise ist es Montag und das Museum ist geschlossen. Andererseits: Schwerpunkt ist zeitgenössische Kunst des 20. Jahrhunderts und damit mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ‚Gelber-Kreis-auf-blauem-Hintergrund-Kunst‘ – möglicherweise habe ich also mit dem Wochentag sogar Glück gehabt. Wenn ich das oft genug wiederhole glaube ich das vielleicht sogar irgendwann.
So habe ich jedenfalls ausreichend Zeit, durch die Stadt zu schlendern. Die Macher des örtlichen ÖPNV sind übrigens möglicherweise Tolkien-Fans – die Busse nennen sich BilboBus.


